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| 2. Das Graserzim
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| Das Graserzimmer bildet das Kernstück unseres
Schulmuseums. Mit Hilfe von großformatigen Farbdrucken, in denen
originale Bild- und Textquellen, grafische Darstellungen und erläuternde
Texte zu einer ansprechenden Gesamtaussage verarbeitet sind, wird
versucht, das pädagogische Wirken und auch die persönlichen
Lebensumstände dieses bedeutsamen Schulreformers des Obermainkreises
erfahrbar zu machen. Zwei Hausmodelle -Rekonstruktionen auf der Grundlage
von Grasers Planentwürfen - vermitteln einen konkreten Eindruck vom
Lebenskreis und Wirkungsweise eines Lehrers jener Zeit. Eine Sonderausstellung informiert außerdem über die Geschichte des Graserdenkmals, das zwischen Graserschule und Rathaus einen nunmehr würdigen Standort gefunden hat. |
| 2.1 Grasers Lebenslauf |

| Zum Verständnis für Grasers Werdegang und Lebensleistung
dürfte beitragen, was sich hinter den Notizen "Hausdiener bei
Familie Molitor in Bamberg" und "Gymnasium Bamberg"
verbirgt. Nach seiner Schulzeit in Eltmann war der junge Graser bei seinem Verwandten Johann Adam Molitor als Hausdiener (Famulus) in Diensten. Graser musste dort, selbst im Winter, unter der Bodenstiege schlafen und sich mit sparsamer Kost begnügen. Er hatte sich im Hause nützlich zu machen und insbesondere die beiden Söhne des Hofkammerrates zu bedienen. Nach dem Schulvormittag im Gymnasium wurden die höheren Söhne von einem Privatlehrer unterrichtet. Der Famulus saß unterdessen auf der Ofenbank, um jederzeit zu Diensten sein zu können. Nun fügte es sich, dass der Hauslehrer seine Zöglinge einer Prüfung unterzog, die höchst unbefriedigend ausfiel. Da trat der junge Graser aus dem Hintergrund hervor und bat darum, die gestellten Fragen beantworten zu dürfen. Zur großen Verwunderung aller konnte Graser mit den treffendsten Antworten glänzen. In diesem Moment war das überragende Talent des jungen Johann Baptist entdeckt. Es wird als Verdienst insbesondere von Frau Molitor gerühmt, dass sie sich nunmehr für die schulische Weiterbildung des jungen Graser einsetzte. Nach kurzen Startschwierigkeiten im Gymnasium begann für den Sohn eines Gastwirtes und Metzgers aus Eltmann eine glänzende akademische Laufbahn. Bei der Gewinnung seiner späteren pädagogischen Positionen dürften Grasers vielseitige Lebenserfahrungen gewiss einen nicht zu unterschätzenden Einfluss ausgeübt haben. |
| 2.2 Unbeschreibliches Schulelend um 1810 bei Grasers Amtsantritt |
| 2.3 Wandel in der Schullandschaft des
Obermainkreises unter Grasers Leitung Unter Grasers Leitung wurden von 1810
bis 1825 etwa
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| Die Fotos auf der Unterseite wurden vom ehemaligen
Graserschulhaus in Prebitz (bei Creußen) aufgenommen. Das Hausmodell und
die Bilddarstellung wurden als Gemeinschaftsprojekt der
Fachlehrerausbildungsstätte Bayreuth angefertigt. Projektleiter: Dr. Siegfried Kappel, Thomas Hellmut, Wolfgang Gräf |
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| 2.4 Grasers Lehr- und Unterrichtskonzept |
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Hausmodell als Lehr- und
Unterrichtsmittel
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| Der Lehrer versuchte durch lebensvolle Erzählungen das
Augenmerk des Kindes auf die gewünschten Aspekte zu lenken. Sehr früh
gab das Haus Anlass zur zeichnerischen Nachbildung auf der Schiefertafel.
In zunächst spielerischen und zugleich zielgerichteten Betätigungsformen
wurden Formbetrachtungen vorgenommen, der Sinn für Ästhetik geschult,
das Verständnis für kindnahe Lebenszusammenhänge entwickelt. Die Zahl
der Ecken und Linien an einem Haus, die Zahl der Fenster und
Fensterflächen, all dies war der Stoff für erste Übungen im Zählen und
Rechnen, die sich erstaunlich rasch im Zahlenraum bis hundert bewegten. Graser legte Wert darauf, dass das Dach des Hauses abnehmbar war, um so den Blick für die Bewohner des Hauses (Menschen und Tiere) freizugeben. Herausziehbare Wände sollten es dem Kinde ermöglichen, konkrete Operationen (Wändebau) auszuführen, um daran vertiefende Betrachtungen anzuknüpfen. Jeder der vier "Kurse" der Elementargymnastik stellte für sich Sinneinheiten dar, in welchen die vier "Formen des göttlichen Seins" - Wahrheit, Gerechtigkeit, Liebe und Schönheit - eine tragende Rolle spielten und zu einem lebensdienlichen Ganzen verknüpft wurden. Es ist aus Zeit- und Platzgründen nicht möglich, den gesamten Kosmos der Graserschen Pädagogik hier darzustellen. Graser wurde zum Begründer des heimatkundlichen Gesamtunterrichts. Bahnbrechend wirkte das Konzept der Schreib-Lese-Methode; Graser entwickelte die Idee des Spiralcurriculums; das Prinzip der Erziehung in der Gemeinschaft durch die Gemeinschaft; das Konzept der staatsbürgerlichen Erziehung; Grasers Forderung nach Individualisierung des Unterrichts . . . . Im erzieherischen Konzept Grasers ist wohl alles schon angedacht, was viele Jahrzehnte später in der Reformpädagogik einen hohen Stellenwert erlangte! All dies spiegelt sein tiefes Verständnis für die Bedürfnisse des Kindes wieder und beeindruckt durch Ideenreichtum und pädagogische Kreativität. |
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| Johann Baptist Graser als moderner Pädagoge und als religiöser Erzieher: | ||
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| 2.5 Erfolgreiches Wirken und persönliche Niederlagen eines
großen Pädagogen
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| 2.6 Die Tragik um Grasers Ehe und Familie | ||
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| 2.7 Was kann uns der Pädagoge Johann Baptist Graser heute
noch bedeuten? |
| Die Graserschule orientiert sich bei der Gestaltung ihres
Schullebens an einem erzieherischen Grundgedankens Grasers. Es war uns ein Anliegen, unsere Schulkinder so weit wie möglich an der Ausgestaltung eines "Graserzimmers" in unserer Schule zu beteiligen. So entstand der Plan, den Kindern Grasers vier "Leitgedanken wahrer Menschlichkeit" - Wahrheit, Gerechtigkeit, Liebe und Schönheit - nahe zu bringen. In einer weitgehend naiven Interpretation wurde die Besinnung darauf gelenkt, was diese Grundprinzipien im Leben jedes Einzelnen für praktische Bedeutung haben könnten. Die Kinder wurden nun dazu eingeladen, ihre Überlegungen in bildlicher Form darzustellen. Die verschiedenen Bildbeiträge sollten schließlich (d.h. eine Auswahl derselben) zu einer Gesamtaussage vereinigt werden: die Blumen der Menschlichkeit. An diesem projektartigen Vorhaben beteiligten sich die Klassen aller Jahrgangsstufen mit großer innerer Anteilnahme! Es zeigte sich, dass die Kinder für Grasers Ideen durchaus ansprechbar waren, dass ihre Umsetzung ins tägliche Leben gelang. Und unserer Kunsterzieherin, Frau Ingrid Opel, gelang es, die Schülerbeiträge zu einer künstlerisch ansprechenden Allegorie zusammenzufassen: die vier "Formen des göttlichen Seins" nach Johann Baptist Graser. Zu wünschen wäre es, dass dieses Bild nicht nur im ästhetischen Sinne anspricht, sondern dass auch die ethische Aussage erkannt und angenommen wird. Im Grunde könnte man sagen, es handelt sich um die Darstellung eines positiven Menschenbildes, von dem Graser sich leiten lässt. Sich daran zu orientieren und damit am göttlichen Sein teilzuhaben, dies entsprach nach Grasers zutiefst christlicher Überzeugung der wahren Bestimmung des Menschen. Möge diese Allegorie zur Begegnung und Auseinandersetzung mit einem positiven Menschenbild beitragen! |
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Die oben angeführte Aufforderung Grasers an die Lehrer hat uns spontan so sehr fasziniert, dass wir sie zum Wahlspruch für das gemeinsame Schulleben in der Graserschule erhoben. Unsere mühsam durchgeführten Recherchen in Grasers Literatur ergaben freilich, dass das genannte Zitat nur als Fußnote einer längeren Abhandlung im Schulmerkur von 1806 erscheint, dort allerdings an einem hervorgehobenen didaktischen Ort. Graser befasst sich darin ausführlich mit einer Entwicklung des Gottesbegriffes beim Kinde. Er vertritt die Auffassung, dass die kindliche Vorstellung von Gott auf der Erfahrung des liebenden Vaters beruhen müsse - und des in gleicher Weise agierenden Lehrers, der im Erziehungsgeschehen der Primarschule die Rolle des Vaters zu übernehmen habe. Graser wollte damit der von ihm als wesentlich eingestuften Gefahr vorbeugen, dass das Kind Gott als strengen Herrscher begreift, der die Welt durch strenge Gebote regiert. Auch wenn man hinter der Idee der systematischen Entwicklung des Gottesbegriffes manche Fragezeichen setzen mag, so wird Graser durch moderne entwicklungspsychologische Erkenntnisse doch glänzend bestätigt. Graser hatte intuitiv richtig durchschaut, dass das Kleinkind aus einem gewissen Egoismus heraus durch sein Verhalten die Anerkennung von Bezugspersonen zu erlangen sucht. Mit dem Streben nach Zuwendung und Anerkennung erfolgen die Übernahme und Verinnerlichung der vorgelebten Maßstäbe und Verhaltensweisen dieser Personen (vgl. Kohlberg, Stufen der Moralentwicklung des Kindes). In der Graserschule lösen wir Grasers Erziehungsprinzip bewusst von seinem ursprünglich zugedachten didaktischen Ort und erwählen es zum Erziehungsprinzip schlechthin. Wir versuchen im Sinne Grasers erlebnisbezogene Werterziehung in der Schulgemeinschaft und durch die Schulgemeinschaft. Uns ist es wichtig, den Kindern Gelegenheit zu schaffen, einander Dienste zu tun. So erlangen die oben erwähnten Gemeinschaftsdienste einen herausgehobenen Stellenwert. Ebenso wichtig ist es jedoch, dass das Kind dabei Bestätigung und Anerkennung findet. Dies ist die Aufgabe aller Lehrkräfte und auch aller Mitschüler und Eltern. Bei besonderen Gemeinschaftsveranstaltungen erhalten die besonders einsatzfreudigen Kinder Dank und Beifall durch die Schulgemeinschaft und von der Schulleitung eine Urkunde. Angesichts des zweifellos drohenden Werteverfalls, der für unsere Kinder mancherlei sittliche Gefährdungen heraufbeschwört, werden sich Schulen zunehmend darauf besinnen müssen, wie sie ein erzieherisch wirksames Eigenleben gestalten können. An Grasers realitätsnaher Grunderkenntnis dürfte ein erfolgversprechender Weg wohl kaum vorbeiführen. Wir dürfen Ermutigung daraus schöpfen, dass dieser großartige Pädagoge in unserem heimatlichen mainfränkischen Raum gelebt und gewirkt hat. |
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| Dank für verdienstvolle Mitarbeit
An der inhaltlichen Ausgestaltung des Graserzimmers wirkten zwei Professoren der Universität Bayreuth maßgeblich mit: Herr Prof. Dr. Dr. Robert Ebner und Herr Prof. Dr. Hans Jürgen Apel. Für ihre fachkundigen Beiträge und ihre sehr hilfreiche Zusammenarbeit mit der Schulleitung der Graserschule sei an dieser Stelle herzlich Dank gesagt. |